
Herzlich
begrüßen wir Sie in der "Kirche der
Seligpreisungen"
in Körle-Lobenhausen.
Sie
sind hier hereingekommen, vielleicht weil Sie diese schöne
Kirche interessiert, vielleicht weil Sie nur einen Augenblick
ausruhen wollen, weil Sie die Stille suchen oder weil eine
Freude, eine Sorge Sie beschäftigt.
Jesus
machte keinen Unterschied. Er nahm jeden Menschen
auf, der Ruhe, Verständnis und Heilung brauchte.
So
zeigt sich in ihm die Liebe Gottes, die keine Bedingungen
kennt.
Diese
Kirche lädt Sie zum Verweilen ein. Aber Sie werden nur dann
reicher hinausgehen, wenn Sie in diesen Minuten eines sind:
offen. Offen für Gott, ehrlich gegen sich selbst - und
barmherzig in Gedanken an Ihre Mitmenschen.
Anleitung
zur stillen Andacht
Setzen
Sie sich an eine ruhige Stelle in unserer Kirche. Versuchen Sie,
zunächst die Stille, die Bilder und den Raum in sich
aufzunehmen. Lassen Sie sich von einem der am Schluss angeführten
Gebete führen.
Sie
werden merken, dass es Ihnen so leichter wird, ruhig und klar zu
werden.
Kirche
der Seligpreisungen in Lobenhausen
Wirklichkeit geworden zum Lobe Gottes
Der
Traum
Die
Kieler Malerin und Gestalterin Margret Knoop-Schellbach
wurde
seit einem Vierteljahrhundert - seit ihrer
bewussten Hinwendung zu einem lebendigen
Glauben
- von dem inneren Auftrag, eine Kirche ganz gestalten
zu können, bewegt. Viele
Vorstufen zur Erfüllung dieses Traumes fanden Ausdruck
in den unterschiedlichsten Werken und Arbeiten
im In- und Ausland.
Bei
einem Konzert mit dem Gospelsänger Jan Vering in unserer
Nachbargemeinde lernte der damalige Pfarrer Reinhard Heubner,
die Künstlerin kennen und hörte von ihrem Gedanken.
Die
ungewöhnliche Idee, in Zusammenarbeit mit einem Dorf und einer
Gruppe von jungen Menschen aus der ganzen
Bundesrepublik eine
"Kirche der Seligpreisungen" zu
gestalten, selbstlos und ohne Entlohnung, stieß bei den
betroffenen Behörden auf Befremden. Trotzdem konnte
die Idee in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Der verstorbene
Bischof Dr. Jung nannte diese Kirche bei einer Besichtigung
"die erste evangelische Wallfahrtsstätte im nordhessischen
Raum".
Weil
bei der Gestaltung der Kirche menschliche Kreativität und gute
Fügung zusammenkamen, hielt die Freude am Gelingen des
Kunstwerkes bis zur Vollendung. Aus dem Traum wurde Wirklichkeit
zum Lobe Gottes.
Die
Entstehung
Im
April 1981 zogen Margret Knoop-Schellbach, Jan Vering und der
Zimmermann Frank Ebert in das leerstehende Pfarrhaus in
Grebenau, wo sie sich als kleine geistliche Lebensgemeinschaft
um das Atelier der Künstlerin herum einrichteten.
Von
hier aus wuchsen aus gemeinsamem Gebet und Bibelarbeit
alle konkreten Gedanken für
die Renovierung und - vor allem - die künstlerische Gestaltung
des Kirchenraumes. Von Anfang an war ein prägender Gedanke,
nicht "Museumskunst" über die Köpfe der
Dorfgemeinschaft hinweg zu betreiben, sondern in enger
Verbundenheit mit der Lobenhäuser Bevölkerung zu planen und zu
arbeiten, und gewissermaßen eine "biblia
pauperum" - eine Bilderbibel zu schaffen. Das
drückte sich aus in Atelier-Treffen, in
Kirchenvorstandssitzungen, in Essenseinladungen
auf die verschiedenen Höfe,
in Arbeits- gemeinschaft mit den Frauen des Ortes, in vielen
Freundschaftszeichen der Bewohner an die Gruppe um Frau
Knoop-Schellbach herum. Im Laufe der Monate wuchs die Gruppe
durch Studenten, Lehrlinge und Freiwillige an, die ihren Urlaub
für die "Kirche der Seligpreisungen" zur Verfügung
stellten.
Kleiner
Bilderführer
Weil
die Gestaltung der Kirche aus gelobtem Leben heraus entstand,
kann sie am besten von dem erkannt werden, der mit den Augen des
Herzens schaut.
Kanzel

In
Hinterglas-Technik gearbeitete Tafeln mit den vier Evangelisten.
Darunter das tragende Wort "Christus, mein Erlöser,
lebt". An der rechten, hinteren Kanzelecke ist eine Tafel
mit Inschriften der Beteiligten angebracht.
Refiefbilder
im Kirchenraum
Rechts
neben der Kanzel, im Mittelpunkt des gottesdienstlichen
Raumes, "Christus der Kinderfreund".
An
der rechten Wandseite das Mahnbild "Der reiche Mann. und
der arme Lazarus", zur Verdeutlichung und Erinnerung an
Lazarus, unseren Bruder, das auch uns im Heutigen begegnen kann.
An
der linken Wandseite Christus, der die Seligpreisungen lehrt.
Alle
Bilder sind in einer speziellen "Ölrelieftechnik"
hergestellt. Zunächst werden die Konturen und
Buchstaben mit Schnur auf die vorgezeichneten Holzplatten
geklebt. Danach trägt die Künstlerin die Farben auf. Diese
Technik ermöglicht selbst dem "Blinden" ein besseres
"Begreifen". Die Bilder erhalten damit eine besondere
Plastizität.
Glasmosaike
Wie
ein farbiges Band umfassen die Mosaike, deren Themen den
Seligpreisungen entnommen sind, die Kirche. Sie sind "erlesbare"
Lebenshaltungen der mit Christus verbundenen Menschen.
Zwei
Glasschliff-Fenster
An
der Stirnwand der Kirche sind sämtliche Scheiben der Fenster
unter zwei Themen geschliffen: "Gib uns das Brot" und
"Lehr uns recht beten". Dadurch ergibt sich eine
gewisse Trennung zwischen dem sakralen Raum und den draußen
liegenden Häusern. Trotz dieser Trennung wird das Dorf
"mit hineingenommen" durch die gestalteten Fenster, so
daß "beten" und "arbeiten" sich gerade hier
in der Kirche durchdringen.
16
Relief-Bilder an den Emporenbrüstungen
Über
der Eingangstür der für die Menschheit leidende Christus,
dessen Herz für die Welt brennt. Daneben
Maria mit der Lilie, dem Zeichen ihrer Reinheit.
Links
und rechts Johannes der Täufer und Paulus, der eine
mit der Kerze, die hindeutet auf das Wort "Er muss wachsen,
ich aber muss abnehmen", der andere mit dem Schwert
des Glaubens.
Dann
folgen an der linken und rechten Emporenseite bis zur
Stirnwand hin die 12 Apostel mit Symbolen, die auf Glaubensinhalte
hinweisen (etwa die 12 Sterne des Erwähltseins,
die bei allen Aposteln vorkommen; bei Judas
tauchen sie als 12 Tauben auf, von denen eine schwarz
ist; der Finger in der Wunde des Auferstandenen
bei der Gestaltung von Thomas).
Altardecke
und Rückenkissen der Bänke
Nach
Entwürfen von Frau Knoop-Schellbach gestalteten Dorfbewohner
in Kreuzstichtechnik nach biblischen Motiven
die Rückenkissen der
neugebauten Kirchenbänke.
Verschiedene Märchenmotive wie "Hans im
Glück" und "Brüderchen und Schwesterchen" weisen
auf das Wirken der Gebrüder Grimm in Kassel hin.
Die
Altardecke wurde von einer Lobenhäuserin nach dem
Thema "Die klugen und die törichten Jungfrauen" gehäkelt.
Schnitztafeln
an der Eingangstur

Wer
die Kirche verlässt, soll als letzten Eindruck die zwei Ewigkeitsengel
aus der Offenbarung des Johannes und den
Hinweis auf die Heiligkeit von Altem und Neuem Testament
in den Figuren von Moses mit den Gesetzestafeln
und Christus, dem Guten Hirten, mitnehmen.
Die
Kirche zu Lobenhausen ist seit der feierlichen Einweihung am 22.
November 1981 wieder Mittelpunkt des kleinen Dorfes geworden.
Gottesdienste in vielfältiger Gestalt werden gefeiert,
Meditationen gehalten und natürlich lädt der
Raum ein zu kulturellen Veranstaltungen
wie Kammerkonzerten und Lesungen.
Ein
weiteres Zentrum der Arbeit von Frau Knoop-Schellbach ist in Körle
zu sehen. Ein Großteil ihrer Arbeiten wird dort im Museum des Bürgermeisteramtes
ausgestellt. In der Körler Kirche hat sie einen Marienzyklus
realisiert.
„KÜNFTIG
WIRD DIE MUSIK NUR ALS
AUTONOME, ALS SOUVERÄNE KUNST
DAS HEILIGE ZUM AUSDRUCK BRINGEN'
Gerard
van der Leeuw, Vom Heiligen in der Kunst, 1957.
Die
Kirche der Seligpreisungen
wurde
1981 durch die Kieler Künstlerin Margret Knoop-Schellbach
gestaltet und hat weit über die Region hinaus Menschen begeistert
und beeindruckt.
Künstler
hatten den Wunsch, hier zu musizieren oder aus ihren Werken zu
lesen. So hat sich über lange Jahre ein vielfältiges kulturelles
Angebot entwickelt, das die Besucher lieben und schätzen gelernt
haben.
Seitdem
finden monatlich einmal Kammerkonzerte statt, die in jedem Jahr
durch eine Kammermusikwoche ergänzt werden. Informationen
erhalten Sie über
Ulrike
Schmidt-Ropertz
Pfarrer Heinz-Ulrich Schmidt-Ropertz
Lärchenweg 1, 34327 Körle,
Tel.: 05665/4997, Telefax 05665/30952